Geschichte

Geschichte des Museumsvereins

Der Museumsverein Nauders wurde 1981 gegründet. Die Hoteliersfamilie Köllemann kaufte 1980 vom Land Tirol das arg heruntergekommene Schloß Naudersberg, das im 13. Jahrhundert entstanden sein dürfte, und regte die Gründung eines Museumsvereines an, der in der ehemaligen Gerichtsburg ein Museum einrichten und betreuen sollte. Im Laufe der Jahre wurden in den vom Museumsverein gemieteten Räumen im 2. Stockwerk der Hochburg und im Dachgeschoß Schauräume eingerichtet. Seit 1981 finden in der Sommer- und in der Wintersaison regelmäßig Führungen statt.

Geschichte
Gründungsausschuß des Museumsvereins Nauders 1981. Vorne von li. nach re.: Wiestner Ernst
Tourismusverband Nauders), Kirschner Hugo Kulturreferent Gemeinde Nauders), Thoma Ludwig (Obmann), Plangger Hanneke (Beirat), Karl Baldauf sen.(Obmann-Stellvertreter). Hintere Reihe: Schiller Dieter (Beirat), Köllemann Pepi (Schlossbesitzer), Ploner Karl (Schriftführer), Waldegger Walter (Kassier), Glatzl Hans (Tourisnusverband Nauders, Geschäftsführer), Hermann Klapeer (Archivar), Agerer Gerhard (Beirat)

Museum Schloss Naudersberg

Schloß Naudersberg, Ansicht von Nordwest
Schloß Naudersberg, Ansicht von Nordwest

Ehemalige Richterstube
Ehemalige Richterstube in Schloß Naudersberg

Festung Nauders

1993 kaufte der Museumsverein vom Staat die Festung Nauders, drei Kilometer nördlich von Nauders direkt an der Bundesstraße gelegen. Die Festung wurde zwischen 1836 und 1840 erbaut und ist heute die einzige Festungsanlage aus dieser Zeit in Österreich, die vollständig im Bauzustand von 1840 erhalten geblieben ist. 1993 wurde das leere Gebäude übernommen. In einigen der über 70 Räume der Festung wurde ein Militärmuseum, eine Ausstellung "Verkehr über den Reschenpaß" und eine Ausstellung des Modellclubs Nauders eingerichtet. Im Sommer und Winter finden Führungen in der Festung statt.

Festung Nauders
Festung Nauders, direkt an der Reschen-Bundesstraße gelegen, erbaut 1836 bis 1840

Das imposante Bauwerk wurde 1834 bis 1840 erbaut. Allerdings wurden die Sprengarbeiten als Vorbereitung für den Bau erst 1836 ausgeschrieben. Die Festung entstand an der Stelle der mittelalterlichen Defensionsmauer, der Niclasmauer. Die westliche Hälfte der Nicalsmauer wurde beim Bau der Festung abgetragen. Das Bauwerk, von General des Geniekorps Franz von Scholl, gebürtig aus Aachen, geplant und unter Generalmajor Georg Eberle aus Bozen ausgeführt, weist noch nicht die Nüchternheit der späteren Festungsbauten auf. Hier wurde noch auf architektonische Ausgewogenheit großer Wert gelegt. Die geografischen Gegebenheiten wurden beim Bau optimal berücksichtigt. Das Bauwerk wurde an den Fels geschmiegt und teilweise in den Berg hineingebaut. Die Anlage sperrte die Straße vom Reschenpaß und aus dem Unterengadin nach Landeck und in das Innere Österreichs. Die Verteidigungsfähigkeit war nach Süden und nach Norden gegeben. Es war einmal geplant, die Straße aus dem Unterengadin durch die Felsen der Sellesköpfe zu bauen und wäre knapp nördlich der Festung in die Reschenstraße eingebunden worden.

Festung Nauders
Festung Nauders um 1845, Ölgemälde von Podestá. Rechts der östliche Teil der Niclasmauer, dahinter die Kaserne, erbaut 1840

Festung Nauders ein ehemailger Schlafraum
Festung Nauders. Ein ehemaliger Schlafraum, ca. 8 x 13 m groß, im Bergesinneren dient heute als Ausstellungsraum

Militärischer Festakt
Militärischer Festakt auf der Balustrade bei der Eröffnung der Standschützenausstellung

Die Festung Nauders ist dem damals üblichen Festungsbau gemäß aus Mauerwerk errichtet. Die Fassade und alle Dächer sind granitverkleidet. Mit den damaligen Mitteln der Artillerie - sie war noch schlecht entwickelt - hätte die Festung einem direkten Beschuß sicher standgehalten. Aber auch eine direkte Beschießung wäre durch vorsorgliche Abwehrmaßnahmen aus der Festung kaum möglich gewesen. Der indirekte Beschuß von der Straße über die Felsbarrieren hätte auch keinen Erfolg gebracht. Das Werk verfügt über einen zweigeschossigen Geschütztrakt. Im ersten Stockwerk sind je zwei Einzelkasematten nach jeder Seite, im zweiten Stockwerk je eine Doppelkasematte nach jeder Seite vorhanden. Sie waren mit insgesamt acht 8-cm-Kasemattkanonen M94 bestückt. Sie wurden 1915 ausgebaut und an die Ortlerfront gebracht.

Die vielen Räume im rückwärtigen, bergseitigen Teil waren Bereitschaftsräume, Aufenthaltsräume für die Besatzung, Kommandantenkasematte, Offizierskasematte, Sanitätsräume, weiters vier Küchen, Vorratsräume für Proviant, für Brennmaterial, Depoträume für Waffen und Ausrüstung, fünf Munitionsmagazine, großer Versammlungsraum und eine Gruft. Die Wasserversorgung gewährleistete eine Wasserleitung, deren Endpunkt ein Wasserspeier in der Form eines Löwenkopf und ein schönes ovales Wasserbecken in Granitausführung sind. Im Einsatzfall hätte man das Wasser aus dem Stillebach geholt, der unter den Geschützkasematten der Festung durchfließt. Der Zugang zur Festung war ursprünglich als Zugbrücke ausgebildet. Die Abortanlagen, in drei Stockwerken übereinander eingebaut, mündeten direkt in den Stillebach.

Die Besatzung rekrutierte sich aus

Detachements der Landesschützenregimenter Trient Nr. 1 und Innichen Nr. III
1 Reservekompanie des Festungsartilleriebataillons Nr. 4 (Riva des Garda)
1 Detachemant des Festungsartilleriebataillons Nr. 7 (Malé/Val die Sole)
1 Detachement Standschützen aus Landeck

Für dem Kriegsfall waren nach dem Defensionsentwurf von 1913 200 Mann vorgesehen, 100 Mann Artillerie, 100 Mann Infanterie, 2 Mann Sanitätspersonal. In Friedenszeiten waren 40 Mann Wachpersonal in der Festung stationiert. Die Wachmannschaft logierte in der gegenüberliegenden Kaserne.

Literatur:

  • A.E. Grestenberger, "K.u.K. Befestigunghsanlagen in Tirol Und Kärntern 1860 - 1918", Wien, Verlag Österreich, 2000
  • Wilhelm Nussstein, "Militärgeschichtlicher Wanderführer Gardasee", Hamburg, Verlag Mittler, 1997
  • Willibald Rosner, "Die österr.-ung. Gebirgsfortifikation der Ă„ra Vogel", Militaria austriaca, Folge 15, Wien, Gesellschaft für österr. Heereskunde, 1994
  • Ludwig Thoma, "Festung Nauders", Nauders, Eigenverlag Museumsverein, 1995
  • Akten Festung Nauders im Kriegsarchiv in Wien

Kaserene bei der Festung Nauders

Im Sommer 1999 kaufte der Museumsverein vom Staat auch die Kaserne gegenüber der Festung Nauders. Dieses 1840 fertiggestellte Biedermeiergebäude diente als Unterkunft für die Festungsbesatzung in Friedenszeiten. Nach einer Generalsanierung ist geplant, hier eine Ausstellung von Uniformen und Ausrüstung aller Armeen, die in der Festung stationiert waren, vornehmlich aber des österreichischen Bundesheeres einzurichten.

Kaserne bei der Festung Nauders
Kaserne bei der Festung Nauders, erbaut 1840

Plan der Kaserne
Plan der Kaserne bei der Festung Nauders mit den großen Räumen

Im Jahr 2007 wurde der Steinschlagschutz auf dem Dach der Kaserne erneuert. 2008 wurde der Stromanschluß erneuert. Es folgt je nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel die Innenrestaurierung des Gebäudes.

Südlich der Kaserne wurde 2009 ein Panzergarten eingerichtet. Das österreichische Bundesheer stellte dem Museumsverein drei Panzer, die in Österreich im Einsatz waren, bzw. immer noch sind, als Schaustücke zur Verfügung: einen russischen T-34/85, einen amerikanischen M-24 und einen Steyr Jagdpanzer Kürassier. Im Frühjahr 2009 kamen dazu noch zwei PAK 52 und ein schwerer Granatwerfer.

Panzergarten
Panzergarten bei der Festung Nauders

Jagdpanzer
Jagdpanzer Kürassier, gebaut von Steyr, heute noch im Einsatz beim österr. Bundesheer

Russischer Panzer
Russischer Panzer T-34/85, ab 1955 im Einsatz beim Österr. Bundesheer

Aufklärungspanzer
Aufklärungspanzer M-24

Lodenwalke, Rindenstampfe, Getreidemühle

Im Jahre 1995 kaufte der Museumsverein die letzte erhaltene Lodenwalke, Rindenstampfe und Getreidemühle am Stillebach und ist daran, alle mit Wasserkraft betriebenen Anlagen darin zu restaurieren. Das Gerinne und das Wasserrad sind bereits restauriert, es folgt in den nächsten Jahren die Restaurierung des Gebäudeinneren.